REZESSIONSDATEN DEZ 2020

Industrierezession verfestigt sich

Anlass

  • Deutschland befindet sich faktisch in einer schweren Rezession der Gesamtwirtschaft
  • Das Wachstum dürfte 2020 um voraussichtlich 5,2 % sinken
  • Schätzungen zufolge wird das Vorkrisenniveau erst im Verlauf des Jahres 2022 wieder erreicht
  • Die Industrie ist bereits seit Mitte 2018 in der Rezession, nahezu alle anderen Bereiche der deutschen Wirtschaft infolge der Corona-Krise ebenso
  • Die Zahl der Arbeitslosen ist im November um rund 61.000 auf 2.699 Millionen (+519.000 im Vorjahresvergleich) gesunken
  • Im November gab es in 28 % der Betriebe Kurzarbeit

Inhalt

  1. KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: Lockdown 2.0 trifft den Mittelstand offenbar härter als die Großunternehmen (02.12.)
  2. ifo Institut: Zwischenhoch in der Autoindustrie vorbei (02.12.)
  3. ifo Institut: Coronakrise bedroht Existenz von 15 Prozent der deutschen Firmen (01.12.)
  4. Spiegel: Euro-Verbraucherpreise sinken vierten Monat in Folge (01.12.)
  5. OECD: Weltwirtschaft schrumpft im vierten Quartal deutlich (01.12.)
  6. ifo Institut: Kurzarbeit nimmt wieder zu (30.11.)
  7. ifo Institut: Beschäftigungsbarometer steigt minimal (27.11.)
  8. ifo Institut: Exporterwartungen deutlich verschlechtert (25.11.)
  9. Deka: ifo Geschäftsklima – triste Adventszeit! (24.11.)
  10. KfW-Konjunkturkompass: Hoffnung auf kräftige Konjunkturerholung nach schwierigem Winter (24.11.)
  11. ifo Institut: Geschäftsklimaindex sinkt (24.11.)
  12. ifo Institut: Deutsche Unternehmen unsicher über den Verlauf ihrer Geschäfte (20.11.)
  13. ifo Institut: Deutsche Volkswirte hoffen auf Biden (19.11.)
  14. ifo-Präsident: EU sollte auf Freihandel in Asien durch Ausbau eigener Handelsabkommen reagieren (17.11.)
  15. BMWi: Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im November 2020 (13.11.)
  16. ifo Institut: Höchste Kreditaufnahme in NRW wegen Corona (13.11.)
  17. ifo Institut: Langfristige wirtschaftliche Auswirkungen der Coronapandemie (12.11.)
  18. Sachverständigenrat: Jahresgutachten 2020/21 (11.11.)
  19. ZEW-Konjunkturerwartungen: Erneuter Einbruch der Erwartungen (10.11.)
  20. ifo Institut: Produktionspläne der Industrie gedämpft (06.11.)
  21. ifo Institut: Geschäfte der Autoindustrie laufen derzeit deutlich besser (03.11.)
  22. ifo Institut: In Baden-Württemberg größter Anteil an Kurzarbeitern (02.11.)
  23. ifo Institut: Neuer Lockdown setzt konjunktureller Erholung ein abruptes Ende (30.10.)

    Im Einzelnen
  1. KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: Lockdown 2.0 trifft den Mittelstand offenbar härter als die Großunternehmen (02.12.)
  • Zweite Infektionswelle und der partielle Lockdown hinterlassen Spuren bei den kleinen und mittleren Unternehmen
    • markanter Rückgang des Barometers im November
    • Verschlechterung um 4,5 Punkte (-12,2 Saldenpunkte)
  • Geschäftserwartungen fallen um 8,0 Punkte (-14,2 Saldenpunkte)
  • Geschäftslage relativ stabil
  • Rückgang im Mittelstand um 0,8 Punkte (-10,3 Saldenpunkte)
    • Anstieg in Großunternehmen um 3,6 Punkte (-13 Saldenpunkte)
  • Dienstleistungssektor weiterhin im Sinkflug
    • Geschäftsklima: Rückgang um 8,5 Punkte (-21,9 Saldenpunkte)
  • Geschäftsklima (-12,4 Punkte) von mittelständischen Einzelhändlern stürtz nach bisherigem Erfolgskurs ab, was sich sowohl in der Geschäftslage
    (-13,5 Punkte), als auch an den Geschäftserwartungen (-11,4 Punkte) ablesen lässt
  • Industrieunternehmen sind indes auch im Mittelstand das stabilste Segment
    (-0,2 Zähler auf -8,5 Saldenpunkte)
  • Zweite Welle von Corona-Neuinfektionen ist in vollem Gange und verlängerte Lockdown Maßnahmen beeinträchtigen weiterhin die wirtschaftliche Erholung
    • Besonders kleine und mittlere Unternehmen rechnen mit Rückschlägen
  • Kurzfristig leider unausweichlich Geschäftspraktiken mit hohem Infektionsrisiko pauschal zu unterbinden



    2. ifo Institut: Zwischenhoch in der Autoindustrie vorbei (02.12.)
  • Erwartungen der deutschen Autohersteller und ihrer Zulieferer für kommenden Monate gingen den vierten Monat in Folge zurück
  • November: minus 4,0 Punkte nach plus 16,3 Punkten im Oktober
  • Aktuelle Geschäftslage wird besser bewertet
    • November: plus 7,2 Punkte nach minus 2,0 Punkten im Oktober
    • Einbruch bei den gewerblichen Neuzulassungen seit Oktober, was sich vermutlich auch weiter fortsetzen wird  
    • Indikator für die Tendenz Mitarbeiter zu verringern stieg nur leicht auf minus 34,6 Punkte
  • Unternehmen gaben an, die Produktion deutlich drosseln zu wollen
    • November: minus 0,5 Punkte nach 38,6 Punkten im Oktober
  • Exporterwartungen fielen ebenfalls deutlich
    • November: minus 5,0 Punkte nach plus 19,0 Punkten im Oktober
  • Auftragsbestand konnte zuletzt nicht mehr so stark zulegen
    • November: 6,2 Punkte nach 29,3 Punkten im Oktober
  • Bestand im Fertigwarenlager ist weiterhin geringer als saisonüblich
    November: minus 4,9 Punkte



    3. ifo Institut: Coronakrise bedroht Existenz von 15 Prozent der deutschen Firmen (01.12.)
  • Coronakrise bedroht die Existenz von deutschen Unternehmen: 15 % der deutschen Unternehmen erklärten die Coronakrise für existenzbedrohend (Juni: 21 %)
  • Stark betroffene Branchen fühlen sich besonders bedroht:
    • Reisebüros/-veranstalter: 86 %
    • Hotels: 76 %
    • Gaststätten: 62 %
  • Unterschiedliche Meinungen in den einzelnen Branchen:
    • Werbebranche: 27 %
    • Speditionen: 14 %
    • IT-Dienstleister: 5 %
    • Rechts- / Steuerberater: 3 %
    • Baubranche: 4 %
  • Der Großhandel ist etwas optimistischer als der Einzelhandel:
    • Einzelhandel: 18 %
    • Großhandel: 10 %
  • Einschätzungen in der Industrie variieren sehr stark
    • Metallerzeuger/-verarbeiter: 34 %
    • Druckereien: 29 %
    • Getränkehersteller: 22 %
    • Textilbranche: 20 %
    • Bekleidungsindustrie: 18 %
    • Chemie: 1 %
    • Pharmabranche: 0 %



      4. Spiegel: Euro-Verbraucherpreise sinken vierten Monat in Folge (01.12.)
  • Verbraucherpreise in der Eurozone sind im November den vierten Monat in Folge gesunken
    • Lebenserhaltungskosten: Rückgang um 0,3 % im Vergleich zum Vorjahresmonat
      • Energiepreise: Rückgang um 8,4 % im Vergleich zum Vorjahresmonat
      • Kosten für Industriegüter: Rückgang um 0,3 % im Vergleich zum Vorjahresmonat
      • Preise für Dienstleistungen: Anstieg um 0,6 % im Vergleich zum Vorjahresmonat
      • Lebensmittel, Alkohol und Tabak: Anstieg um 1,9 % im Vergleich zum Vorjahresmonat


        5. OECD: Weltwirtschaft schrumpft im vierten Quartal deutlich (01.12.)
  • Wirtschaftswachstum gerät wegen der zweiten Corona-Wellen in westlichen Ländern abermals ins Straucheln
    • Rückgang um 3 % im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr
    • Eurozone: Rückgang um 7,3 % im viertel Quartal
    • USA: Rückgang um 3,2 % im vierten Quartal
  • In den kommenden Jahren wird es in Deutschland zu einer Erholung von der Corona-Rezession kommen
    • Rückgang um 5,5 % für dieses Jahr berechnet
    • Wachstum von 2,8 % in 2021 und 3,3 % in 2022
    • Verglichen mit anderen Industriestaaten fällt Rezession eher mild aus
  • Auch die Eurozone insgesamt wird sich laut OECD erholen
    • Wachstum von 3,6 % in 2021 und 3,3 % in 2022
  • Nur China wird Wachstum in diesem Jahr zugetraut
    • Wachstum von bis zu 1,8 % in 2020 möglich
    • Wachstum von 8,0 % in 2021 und 4,9 % in 2022
  • Die Vereinigten Staaten werden ebenfalls zunächst schrumpfen und in den kommenden Jahren wieder zulegen
    • Rückgang um 3,7 % in 2020
    • Wachstum von jeweils 3 % in 2021 und 2022



      6. ifo Institut: Kurzarbeit nimmt wieder zu (30.11.)
  • Anteil der Firmen mit Kurzarbeit hat sich im November erstmals seit Monaten wieder erhöht
    • Der Anteil stieg auf 28,0 %, nach 24,8 % im Oktober
  • Gastronomie / Tourismus: Kurzarbeit hat sich im Hinblick auf den Teillockdown deutlich erhöht
    • Hotels: 91 % der Unternehmen, nach 62,9 im Vormonat
    • Gastronomie: 71,7 % der Unternehmen, nach 53,4 im Vormonat
    • Reisebüros/-veranstalter: 91,1 % der Unternehmen, nach 88,0 im Vormonat
  • Anstieg zog sich durch fast alle großen Wirtschaftszweige
    • Dienstleister: Anteil der Kurzarbeit stieg von 24,0 auf 30,6 % der Unternehmen
    • Handel: Anteil der Kurzarbeit stieg von 18,8 auf 20,7 % der Unternehmen
    • Industrie: Leichter Rückgang von 31,9 auf 30,5 %
  • Einzelne Branchen meldeten gegen den Trend auch kräftige Rückgänge
    • Autobranche: von 50 auf 36,7 %
    • Verlagsbranche: von 42 auf 34,7 %
    • Arbeitnehmervermittlung/-überlassung: von 64,2 auf 52,5 %
    • Herstellung von elektr. Ausrüstung: von 43,4 auf 34,9 %
    • Druckereien: von 47,6 auf 39,1 %
    • Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten: von 49 auf 38,4 %



      7. ifo Institut: Beschäftigungsbarometer steigt minimal (27.11.)
  • Unternehmen wieder optimistischer gegenüber Neueinstellungen
    • Beschäftigungsbarometer leicht auf 96,7 Punkte gestiegen 
    • Zweite Welle hat bislang kaum negativen Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt
    • Heterogene Entwicklungen in den verschiedenen Branchen
  • Industrie: leichter Personalaufbau
  • Reisebranche: Entlassungen unvermeidlich
  • Gastgewerbe: Entlassungen unvermeidlich
  • Dienstleister: Personalaufbau
  • Handel: leichter Personalabbau  
  • Bauhauptgewerbe: Personalaufbau



    8. ifo Institut: Exporterwartungen deutlich verschlechtert (25.11.)
  • Exporterwartungen der Industrie sind im November von 7,0 auf – 2,1 Punkte gefallen
    • Ausmaß der zweiten Corona-Welle belastet das Exportgeschäft
  • Automobilbranche: Deutlicher Dämpfer bei künftigem Auslandsgeschäft
  • Nahrungsindustrie: Erwartung rückläufiger Exporte
  • Maschinenbau und Metallbranche: Erwartung einer konstanten Entwicklung  
  • Chemische Industrie und Elektrobranche: Gehen von weiteren Zuwächsen und steigenden Auslandsumsätzen aus



    9. Deka: ifo Geschäftsklima – triste Adventszeit! (24.11.)

    ifo Geschäftserwartungen
    dringen weiter in Rezessionsbereich vor
    • Geschäftsklima um 1,8 Punkte im November und damit zum zweiten Mal in Folge gesunken
    • Geschäftserwartungen sanken überdurchschnittlich stark um 3,2 Punkt
  • Lageeinschätzungen der Einzelhändler und Dienstleister weisen auf eine triste Adventszeit hin
  • Geschäftserwartungen scheinbar nicht beeinflusst von Nachricht über baldige Verfügbarkeit von Impfstoffen
  • Studien des Internationalen Währungsfonds legen nahe, dass ein kurzer und strenger Lockdown aus ökonomischer Sicht besser sein könnte als ein langer und gemäßigterer
  • Bruttoinlandsprodukt wird im vierten Quartal aufgrund des partiellen Lockdown zur Bekämpfung der zweiten Infektionswelle schrumpfen
  • Rezessiver Rückgang wird harmloser ausfallen als im Frühjahr 2020



    10. KfW-Konjunkturkompass: Hoffnung auf kräftige Konjunkturerholung nach schwierigem Winter (24.11.)

    Deutschland
    und die Eurozone konnten im Sommer einen großen Teil des Konjunkturabsturzes aufholen
    • in beiden Wirtschaftsräumen liegt Bruttoinlandsprodukt wieder bei 96% des Niveaus vor Ausbruch der Corona-Pandemie
  • Aufgrund aktuell steigender Infektionszahlen sind die Aussichten für die kommenden Monate eher weniger optimistisch
    • Für das Winterhalbjahr 2020/2021 ist insgesamt mit einer rückläufigen Wirtschaftsentwicklung zu rechnen
    • Gute Aussichten auf bald verfügbare Impfstoffe können für Rückkehr des öffentlichen und sozialen Lebens ab dem Frühjahr führen
  • Sowohl für Deutschland als auch für die Eurozone wird erwartet, dass nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung wieder ein Anstieg folgen wird
    • Erwartetes preisbereinigtes BIP in Deutschland 2020: – 5,3 %
    • Erwartetes preisbereinigtes BIP in Deutschland 2021: + 4,0 %
    • Erwartetes preisbereinigtes BIP in der Eurozone 2020: -7,4%
    • Erwartetes preisbereinigtes BIP in der Eurozone 2021: +5,1 %


      11.ifo Institut: Geschäftsklimaindex sinkt (24.11.)
  • Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich weiter verschlechtert
    • Geschäftsklimaindex ist im November auf 90,7 Punkte gesunken (Oktober: 92,5 Punkte)
    • Rückgang war vor allem auf deutlich pessimistischere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen
    • Aktuelle Situation wird etwas schlechterbewertet
    • Geschäftsunsicherheit istgestiegen
    • Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft unterbrochen
  • Verarbeitendes Gewerbe: Geschäftsklima hat ich verbessert und Unternehmen beurteilten aktuelle Lage deutlich besser. Der Ausblick auf die kommenden Monate fiel jedoch weniger optimistisch aus
  • Dienstleistungssektor: Geschäftsklimaindikator hat merklich nachgegeben und liegt erstmals seit Juni wieder im negativen Bereich
  • Handel: Geschäftsklima hat sich verschlechtert und Unternehmen waren mit ihrer aktueller Lage weniger zufrieden
  • Bauhauptgewerbe: Geschäftsklimaindikator hat sich etwas verschlechtert



    12. ifo Institut: Deutsche Unternehmen unsicher über den Verlauf ihrer Geschäfte (20.11.)
  • Laut Umfrage zu Unsicherheit von Unternehmen fällt es ihnen derzeit schwer, die Entwicklung ihrer Geschäfte vorherzusagen
    (Skala von null „völlig sichere Vorhersage“ bis 100 „völlig unsichere Vorhersage“)
    • Oktober 2020: 64,3
    • April 2020: 73,8 (erster Lockdown)
    • Februar 2020: 55



      13. ifo Institut: Deutsche Volkswirte hoffen auf Biden (19.11.)
  • Laut Ökonomen-Panel des ifo Instituts im Auftrag der FAZ erwarten deutsche Volkswirte vom neuen US-Präsidenten Biden positive Wirkungen
    • 71% Bidens Präsidentschaft ist eher positiv
    • 5% „sehr positiv“
    • 19% „Wahlausgang hat keinen erkennbaren Einfluss“
  •  Die Folgen für die amerikanische Wirtschaft sind:
    • 62% „eher positiv“
    • 9% „sehr positiv“
    • 12% „eher negativ“
  • Info: Wirtschaftswachstum historisch gesehen unter demokratischen Präsidenten höher als unter Präsidenten der Republikaner



    14. ifo-Präsident: EU sollte auf Freihandel in Asien durch Ausbau eigener Handelsabkommen reagieren (17.11.)
  • Kurzfristige Wirkung in Asien begrenzt, da unter den Beteiligten auch vorher schon Handelsabkommen wirksam waren
  • Langfristig droht die Gefahr, dass europäische Exporte durch Erzeugnisse aus der neuen Freihandelszone ersetzt würden und bereits mittelfristig könnte der Marktzugang für externe Staaten immer schwieriger werden
  • Strategisch für China sinnvoll, da es ihnen erleichtern wird, Regeln und Standards im Handel zu setzen; Handelspolitisch für EU & USA ein Weckruf



    15. BMWi: Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im November 2020 (13.11.)
  • Allgemeine Lage: Wirtschaftliche Erholung gefährdet
    • im dritten Quartal: deutsche Wirtschaftsleistung um 8,2% gestiegen, also 96% des Vorkrisenniveau (4. Quartal 2019)
    • Aufholprozess hat sich im Oktober fortgesetzt, aber verlangsamt
    • Aufgrund der Maßnahmen im November Dämpfer für Konjunktur
  • Weltwirtschaftliche Erholung schreitet voran
    • globale Industrieproduktion im vierten Monat in Folge hochgefahren
    • weltweite Erzeugung über 97% des Vorkrisenniveau
    • IFW hat im Oktober Prognose für globale Wirtschaftsleistung auf -4,4% für das Jahr 2020 aufwärtsrevidiert
    • Für 2021 wird Erholung um 5,2% erwartet
  • Exporte regenerieren sich weiter, Importe straucheln
    • im September erneut Anstieg der Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen
    • Drittes Quartal: Erhöhung um 11,2 %
  • Industriekonjunktur weiter aufwärtsgerichtet
    • Gesamtproduktion im Produzierenden Gewerbe gegenüber August um 1,6% angestiegen
    • Maßgeblichen Anteil hatte KFZ-Bereich mit Aufschwung von 10%
    • Drittes Quartal: Erhöhung der Produktion im Produzierenden Gewerbe um 10,7%
    • Drittes Quartal: Erhöhung der Produktion in der Industrie um 14,6%
    • Industrie: Produktion lag zuletzt bei 93% des Vorkrisenniveaus
  • Einzelhandel zeigt nach kräftiger Belebung Seitwärtsbewegung
    • Verbraucherpreise im Oktober gegenüber Vormonat um 0,1% gestiegen
    • Vorkrisenniveau bereits seit Mai deutlich übertroffen
    • GfK Konsumklima erwartet für November leichte Verschlechterungen
  • Beeinträchtigungen am Arbeitsmarkt weiter sichtbar – aber Verbesserungen  
    • Beschäftigung nimmt wieder leicht zu
    • Sinkende Kurzarbeit: 2,6 Mio. im August nach 3,33 Mio. im Juli



      16. ifo Institut: Höchste Kreditaufnahme in NRW wegen Corona (13.11.)
  • Nordrhein-Westfalen ist Bundesland mit höchster coronabedingter Kreditaufnahme 
    • 1. Nordrhein-Westfalen: 33% des 2019 Haushaltes (25 Mrd. Euro)
    • 2. Bayern: 31% (20 Mrd. Euro)
    • 3. Niedersachsen: 27% (9 Mrd. Euro)
    • 4. RheinlandPfalz: 20% (3,5 Mrd. Euro)
    • 5. Saarland: 16% (2 Mrd. Euro)
    • 6. Bremen: 15% (1 Mrd. Euro) / Brandenburg: 15% (2 Mrd. Euro)
    • 7. Baden-Württemberg: 13% (rund 14. Mrd. Euro)
    • 8. Hessen: 12% (rund 14. Mrd. Euro)
    • 9. Berlin: 11% (rund 6 Mrd. Euro)
    • 10. Sachsen: 10% (rund 6 Mrd. Euro)
    • 11. Schleswig-Holstein: 8% (1 Mrd. Euro)
    • 12. Hamburg: 6% (3 Mrd. Euro)
    • 13. Meckl.-Vorpommern: 4% (700 Mio. Euro)
    • 14. Sachsen-Anhalt: 2% (260 Mio. Euro)
    • Thüringen: Drucklegung des Antrags noch nicht final beschlossen



      17. ifo Institut: Langfristige wirtschaftliche Auswirkungen der Coronapandemie (12.11.)
  • Befürchtung langfristiger Schäden für die deutsche Volkswirtschaft
    • Reale Ausrüstungsinvestitionen schon in 2019 schwach entwickelt
    • Nach Konjunkturprognosen noch bis 2022 auf niedrigem Niveau
  • Pandemiebedingte Umsatz- und Gewinnausfälle nehmen Unternehmern den Spielraum für Investitionen in das Sachkapital
    • Kreditvergabe seitens der Banken abhängig von Eigenkapital
    • Sinkender Investitionsbedarf bei unterausgelasteten Kapazitäten
    • Unsicherheit über Erholung bremst Investitionsbereitschaft weiter aus
    • Weniger Investitionen bremst Innovationsanstrengungen aus, behindert die Modernisierung des Produktionsapparats und die Produktivitätsentwicklung


      18. Sachverständigenrat: Jahresgutachten 2020/21 (11.11.)
  • Erholung der Konjunktur hängt vom Pandemieverlauf ab
    • nach starken wirtschaftlichen Einbrüchen im Frühjahr kam es zu einer kräftigen Erholung der Weltwirtschaft
    • Erholung dürfte angesichts der Einschränkungen deutlich abklingen
    • Erwartung Wirtschaftsleistung 2020: -5,1%
    • Erwartung Wirtschaftsleistung 2021: +3,7 %
  • Stabilisierungspolitik in Zeiten von Corona
    • Geld- und Fiskalpolitik haben mit umfangreichen Stützungsmaßnahmen reagiert
    • Konjunkturpaket der Bundesregierung trägt zur Erholung bei und dürfte Wirtschaftsleistung temporär um 0,7% bis 1,3% erhöhen, jedoch nicht in allen Teilen zielgenau
    • Augenmerk sollte zukünftig darauf liegen, Staatsfinanzen zu konsolidieren und Geldpolitik zu normalisieren
  • Gemeinsam gestärkt aus der Krise hervorgehen
    • EU-Aufbaufonds bietet EU-Staaten Möglichkeit zu Investitionen in Produktivität und Wachstum und kann Strukturreformen erleichtern
    • Tragfähigkeit der Staatshaushalte, effektives fiskalisches Rahmenwerk sowie Stabilität des Finanzsystems sind Voraussetzungen für zukünftig widerstandsfähiges Europa
    • Stärkung des EU-Binnenmarktes kann Resilienz für zukünftige Krisen erhöhen
  • Klimaschutz als industriepolitische Chance
    • Strukturwandel hin zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen unausweichlich
    • Abbau verzerrender Anreize durch eine Energiepreisreform
    • Komplementäre Maßnahmen können Hindernisse adressieren
  • Produktivitätswachstum durch Innovation:
    • Digitalisierung vorantreiben
  • Private Innovationsausgaben in Deutschland auf Großunternehmen konzentriert
    • Innovations- und Diffusionsanreize kleiner und mittlerer Unternehmen sollten gestärkt werden
    • Rahmenbedingungen für digitale Dienste und Geschäftsmodelle sollte deutlich verbessert werden
    • Defizite in der öffentlichen Verwaltung, des Gesundheitswesens und des Bildungssystems bei Digitalisierung sollten rasch abgebaut werden
  • Demografischer Wandel: Nachhaltige Alterssicherung
    • Demografische Alterung führt zu einem erheblichen Tragfähigkeitsproblem in der Gesetzlichen Krankenversicherung



      19. ZEW-Konjunkturerwartungen: Erneuter Einbruch der Erwartungen (10.11.)
  • ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland in Novemberumfrage 2020 wieder gesunken
    • November: 39,0 Punkte nach 56,1 im Oktober
    • nach zeitweiligem Höhepunkt von 77,4 um 38,4 Punkte gesunken
  • Einschätzung der konjunkturellen Lage hat sich ebenfalls verschlechtert
    • Lageindikator November: minus 64,3 Punkte nach 69,1 im Vormonat
  • Erwartungen der Finanzmarktexperten an Konjunkturentwicklung in Eurozone sinken ebenfalls zum zweiten Mal in Folge
    • Erwartungsindikator Eurozone November: 32,8 Punkte nach 52,3 im Oktober
  • Einschätzung der konjunkturellen Lage der Eurozone steigt leicht
  • Lageindikator Eurozone November: minus 76,4 nach minus 76,6 im Oktober



    20. ifo Institut: Produktionspläne der Industrie gedämpft (06.11.)
  • Eingetrübte Produktionserwartungen der Industrie für die nächsten Monate
    • Oktober: 17,4 Punkte nach 20,0 im September
    • Zuvor stiegen die Erwartungen über Monate hinweg an
  • Industrie fährt das Tempo etwas herunter, generell plant jedoch die Mehrzahl der Branchen die Produktion auszuweiten
    • Autobauer: 41 Punkte nach 52 Punkten im September
    • Chemieindustrie: 19 Punkte nach 24 im September
    • Hersteller von Metallerzeugnissen: Indikator sank auf 13 Punkte
  • Nahrungsmittelhersteller: 9 Punkte nach29 im September
    Getränkehersteller: Ausblick fiel von -12 auf -41 Punkte



    21. ifo Institut: Geschäfte der Autoindustrie laufen derzeit deutlich besser (03.11.)
  • Geschäftslage wird von Autoherstellern und Zulieferern deutlich besser bewertet als noch im Vormonat
    • Lage-Indikator stieg auf – 0,2 Punkte nach – 20,4 Punkten im September
    • Bisheriges Tief: Im April lag bei – 86,2 Punkten
    • Nachfrage nach Autos hat merklich angezogen, Kapazitätsauslastung stieg im Oktober auf 86 % nach 73 % im Juli
  • In die Zukunft wird jedoch pessimistischer geblickt
  • Index fiel den vierten Monat in Folge von 27,6 Punkten im September auf 17,7 im Oktober



    22. ifo Institut: In Baden-Württemberg größter Anteil an Kurzarbeitern (02.11.)
  • Baden-Württemberg hat Bayern als Bundesland mit dem größten Anteil an Kurzarbeitern abgelöst
    • Im Oktober waren etwa 13 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten oder 620.000 Menschen in Kurzarbeit
    • In Bayern waren es 12 % (710.000 Personen)
  • Nordrhein-Westfalen: 10 % (680.000 Personen)
  • Rheinland-Pfalz und Saarland: jeweils 10 % (190.000 Personen), entspricht dem Bundesdurchschnitt
  • Die anderen Bundesländer verzeichnen unterdurchschnittliche Kurzarbeit
  • Bundesweit sind 10 % oder 3,3 Millionen Menschen betroffen



    23. ifo Institut: Neuer Lockdown setzt konjunktureller Erholung ein abruptes Ende (30.10.)
  • Anstieg der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2020 wird deutlich ausgebremst
  • Ausfall der gesamtwirtschaftlichen Produktion von etwas mehr als 10 Milliarden Euro durch erneuten Lockdown
    • Umsätze des Gastgewerbes dürften von 75 % des Normalniveaus, das im Sommer erreicht wurde, auf etwa 20 % zurückgehen
    • Ausgaben für Dienstleistungen des „sozialen Konsums“ werden kräftig einbrechen, von 30 % auf 10 % des Normalniveaus
    • Gesamte private Konsumausgaben dürften bis zum Jahresende nicht mehr wachsen

Bewertung

Deutschland befindet sich aufgrund der Corona-Pandemie in einer schweren Rezession, die Bilanz für das Jahr 2020 wird je nach Schwere der Auswirkungen der Pandemie verheeren sein. Die Bundespolitik bringt Soforthilfen, Steuererleichterungen und Kreditangebote für die deutschen Mittelständler auf den Weg und hat ein umfassendes Konjunkturpaket beschlossen.

Im Folgenden die anlässlich des Jahresgutachtens des Sachverständigenrates formulierten 12 Elemente der Herbstoffensive:

1. Neukonzeption der Überbrückungshilfen / Konzentration auf besonders betroffene Unternehmen / Novemberhilfen passgenau und zeitnah auf den Weg bringen

2. Liquiditätshilfen für die Automobilindustrie nur bei Verpflichtung der Automobilindustrie, die bereits bestehenden Verträge mit den Zulieferern nicht nach zu verhandeln

3. Entfristung der Mehrwertsteuersenkung

4. Verlängerung der staatlichen Garantie für die Warenkreditversicherung bis Mitte 2021

5. Bürokratieentlastungsgesetz noch vor Ende der Legislaturperiode

6. Die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags

7. Einführung des Optionsmodells für Personenunternehmen / mittelstands-freundliche Ausgestaltung der Thesaurierungsrücklage

8. Zeitliche Ausweitung der Anwendung des steuerlichen Verlustrücktrags auf drei Jahre, besser fünf Jahre

9. Anhebung des Anrechnungsfaktors der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer

10. Entfristung der degressiven AfA

11. Anhebung der Ist-Versteuerungsgrenze (Umsatzsteuer)

12. Verzicht auf das Lohnsummenkriterium bei der Erbschaftsteuer

Berlin, 04.12.2020 / K.Gollard / Dr H-J Völz / BVMW